Im Förderzeitraum der
Verpflichtungsermächtigung wurden im Rahmen der Weisungen nach § 10 JGG,
insbesondere bei den Sozialen Trainingskursen und den Betreuungsweisungen
erlebnispädagogische Veranstaltungen durchgeführt.
Warum sind erlebnispädagogische Maßnahmen
wichtig?
Zur Beantwortung halten wir uns vor Augen,
welche Jugendlichen wir unterstützen. Dabei hilft Philipp Walkenhorst in seinem
Aufsatz „Pädagogische Ansätze in der Arbeit mit Mehrfach- und Intensivtätern“:
„Es sind junge Menschen, die sich ... noch
in der Entwicklung ... befinden, ... die noch hoffentlich ein langes Leben vor
sich haben, ... zum Wohlergehen ihrer selbst und ihrer Mitmenschen beitragen
können, die Schwierigkeiten haben und/ oder machen...“
Außerdem ist von Bedeutung, welchen Sinn
das Strafrecht hat. Die Strafe soll vergelten, abschrecken, sühnen, vor allem
die Rechtsgüter schützen, aber auch resozialisieren. Klugerweise wurden,
vielleicht notgedrungen deutsch-deutscher Jugendgerichtsbarkeit, mit dem 1.
JGGÄndG am 30.08.1990 die Weisungen, wie die ambulanten Maßnahmen im Paragrafen
10 auf Grund wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse eingeführt.
Als pädagogische Fachleute nehmen wir mit
Freude die kommentierte Rückfallstatistik von Jehle, Heinz und Sutterer zur
Kenntnis. Mit dem vom Bundesministerium der Justiz herausgegebenen Bericht ist
nun wissenschaftlich sicher belegt, was wir in unserer Arbeit als
„Aus-dem-Bauch-Ergebnis“ erlebten, nämlich dass die ambulanten Maßnahmen ein
deutlich geringeres Rückfallrisiko haben als die freiheitsentziehenden
Sanktionen.
Da dieser Fakt in der öffentlichen
Wahrnehmung meist völlig entgegengesetzt erfasst wird, halten wir es
diesbezüglich mit Friedrich Nietzsche:
„Über
Gut und Böse glaubt sich Jedermann Kenner und irrt sich“
Als Ziel der ambulanten Maßnahmen gilt von
Praktikern übereinstimmend, die Erhöhung der Konfliktlösungs- und sozialen
Handlungskompetenz bei unseren Klienten anzustreben.

Frei nach M.Pelz (BAG NAM DVJJ) müssen wir
dabei berücksichtigen, wie viel Zeit uns für diese Aufgabe zur Verfügung steht.
Nimmt man z.B. einen 16-Jährigen, so erfuhr dieser in den letzten zehn Jahren
mehr als 56.000 Stunden Sozialisation durch Familie, Schule und Freunde.
Dem stehen ca. 200 Kontaktstunden im
Sozialen Trainingskurs oder bei der Betreuung gegenüber.
Es ist also wichtig, ein Methode bei der
Betreuung zu verwenden, die gewünschtes Verhalten in einer außergewöhnlichen
Situation physischer und psychischer Spannung stimuliert und auf metaphorische
Weise in den Alltag transferiert – die Erlebnispädagogik.
Sie ist nicht das Allheilmittel und soll in
unserer Arbeit die themen- und handlungsorientierte Beeinflussung auf einer
anderen Ebene ergänzen. Über die Methode eröffnet sich die Chance, mit Hilfe
einer vertrauensvollen Beziehung bisher feste Einstellungen sowie Fremd- und
Selbstwahrnehmung zu ändern. Das soziale Lernen erfolgt über aktives Handeln
und Erleben im Gegensatz zum Über-das-Problem-Reden.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick
über die Maßnahmen im Förderzeitraum 2002 - 2004
Zeitpunkt Teilnehmer Aktivität Veranstaltungsort,
Region
07.01.
– 10.01.2002 2 TN Trekking Neuhaus
am Rennweg, Rennsteig
02.03.
– 03.03.2002 2 TN Trekking Hexentanzplatz,
Roßtrappe, Harz
02.04.
– 04.04.2002 4 TN Indianerkultur/ Tipibau Orlamünde, Thüringen
08.07.
– 10.07.2002 3 TN Indianerkultur/ Tipibau Mägdesprung, Ostharz
06.10.
– 08.10.2002 1 TN Trekking, Hochseilgarten Steinach, Rennsteig
31.10.
– 02.11.2002 3 TN Mountainbike Schierke, Brocken
17.02.
– 21.02.2003 3 TN Arbeitsprojekt Umweltschutz Bernburg, Saaleaue
28.04.
– 30.04.2003 4 TN Mountainbike Schierke, Brocken
02.06.,
16.06.,30.06. 1 TN Reiten Hippohof
Bernburg
06.06.2003 2 TN Kanu Schachtsee,
lokales Gewässer
12.07.
– 18.07.2003 2 TN Segeln Ijsselmeer
Holland
05.09.2003 2 TN Kanu Schachtsee,
lokales Gewässer
11.02.
– 13.02.2004 2 TN Skitouring Schierke,
Brocken
08.03.
– 18.03.2004 3 TN Arbeitsprojekt Bau Biesenrode, Mansfelder Land
17.04.2004 3+3 TN Klettern, Ausländer Halberstadt,
Klusfelsen
26.05.2004
3+3 TN Klettern, Ausländer Halberstadt, Thekenberge
27.05.2004
5 TN Klettern, Umweltschutz Blankenburg, Hamburger Wappen
29.07.2004 3 TN Kanu Schachtsee,
lokales Gewässer
08.09.2004 3 TN Kanu Saale,
lokales Gewässer
25.09.2004
4 TN Klettern, Umweltschutz Ballenstedt, Gegensteine
22.10.-
24.10.2004 5 TN Klettern, Trekking Sächsische Schweiz, Schrammsteingebiet
Wie der Auflistung zu entnehmen ist, legten
wir großen Wert auf Vielfältigkeit, um den Besonderheiten der verschiedenen
Teilnehmer gerecht zu werden. Neben der eigentlichen Aktion spielt die
Metaphorik, also die bildliche Übertragung der Unternehmungen eine große Rolle.
Im folgendem Bericht gehen wir auf die
Merkmale und Ansätze der Veranstaltungen ein und versuchen die Ergebnisse
darzustellen.
Wir möchten jedoch vorwegschicken, dass das
Übernachten im Freien durch teilweise extreme Witterungsbedingungen allein sehr
erlebnisreich, prägend und abenteuerlich war. Als lebenspraktische Übung kommt
die Organisation, Einkauf und Zubereitung der Mahlzeiten hinzu.
Die
Teilnehmer und die Eltern wurden umfassend über die einzelnen Maßnahmen
informiert und Checklisten wurden ausgegeben. Einen hohen Stellenwert nahmen
die Sicherheitsstandards ein. Ein Mitarbeiter hat sich in einer mehrjährigen
Zusatzqualifikation zum Erlebnispädagogen ausbilden lassen.
Zusammenfassend
handelt es sich bei den Maßnahmen des Rückenwind e.V. um professionell
durchgeführte Aktionen, die sich an einer Ziel-Ergebnis-Analyse orientieren.
Trekking und Bergwandern, Skitouring
Die
Bilder: sich auf den Weg machen, über
den Berg kommen Es gibt immer viele Wege, die den Berg
hinaufführen. Oben angekommen ist die Aussicht für alle gleich.
Diese Aktivität wurde bei insgesamt sieben
Teilnehmern (3 mal 2 STK-Teilnehmer und eine Einzelbetreuung) umgesetzt.
Bei den sechs Kursteilnehmern handelte es
sich überwiegend um Heranwachsende, die mehr oder weniger im Leben standen. In
den Gruppenstunden wurde bereits die Zukunftsplanung erörtert. Es war uns
wichtig, dies symbolisch so umzusetzen, dass bewusst wird, das Ziel nicht aus
den Augen zu verlieren und durchzuhalten.
Die
Wegstrecken befanden sich im Mittelgebirge und waren durchschnittlich 15 km
lang. Mit zwei Teilnehmern wurde es auf Wunsch per Skilanglauf umgesetzt, da
sie eine Alternative zum Wandern wollten. Bedingt durch geringe Erfahrungen mit
dem Gerät und durch die großen Höhenunterschiede (Brockengebiet) war es sehr
spannend und das Durchhaltevermögen und die Frustrationstoleranz wurden
erheblich geprüft und gefördert. Dies trifft im Übrigen auf alle Aktivitäten
zu.
Selbstverständlich ergibt sich in diesem
Rahmen die Möglichkeit, über vermeintlich Unwichtiges zu reden. Dinge also, die
im Alltag möglicherweise untergehen, aber durch eine vertrauensvolle Haltung
wesentlich zur Beziehungsverbesserung beitragen.
Das stand für die Einzelbetreuung im
Vordergrund. Als vertrauensbildende Maßnahme wurde zusätzlich der
Hochseilgarten genutzt. Hier war das Sich-auf-den-anderen-Verlassen sehr
wichtig. Man musste, teilweise blind, dem Partner trauen. Insgesamt war es eine
hervorragende Clearing-Aktion.
Reiten
Die
Bilder: einmal gemütlich
dahintraben, einmal auf dem hohen Ross sitzen, etwas aus dem Stegreif
machen, die Zügel fest im Griff haben
Als Angebot für eine Einzelbetreuung wurde
das therapeutische Reiten genutzt. Suizidale Gedanken, abnormes Verhalten und
Auftreten bei gleichzeitiger Willensbekundung zur Lebensstiländerung zeigten
eine nicht untypisch auftretende Ambivalenz des Klienten. In der Supervision
wurde deutlich, dass die Bearbeitung eines Traumas vonnöten wäre. Diese
Leistung können wir nicht erbringen und war vom Klienten nicht gewünscht. Das
Reiten bot die Möglichkeit, einen „Türöffner“ zu haben.
Im individuellen Bereich fördert die
pädagogische Arbeit mit dem Pferd den Aufbau von Vertrauen, Verbesserung der
Eigeninitiative, Steigerung der Konzentrations-, Koordinations- und
Wahrnehmungsfähigkeit, Aufbau von Selbstwertgefühl und Selbsteinschätzung,
Abbau von Ängsten und Verkrampfungen, Stärkung des Körpergefühls, des
Gleichgewichtes, der Beweglichkeit und der Geschicklichkeit.
Das Pferd ermöglicht sowohl eine
körperliche als auch eine emotionale Beziehung zu ihm herzustellen. Als
“Partner” fordert es die volle Aufmerksamkeit. Durch den Aufbau einer Beziehung
zum Pferd mit dessen feinem Gespür für Stimmungen und unmittelbaren Reaktionen
auf falsche Behandlung entsteht eine natürliche Verhaltensregulation.
Emotionale Blockaden werden abgebaut.
Im Betreuungsfall realisierten sich die
Kursziele, insbesondere Bereitschaft zur Mitarbeit, die Abnabelung vom
Elternhaus, Aufnahme einer kontinuierlichen Arbeit und nicht zuletzt wurde die
therapeutische Arbeit initialisiert, die zuvor strikt abgelehnt wurde.
Abseilen und Klettern
Die
Bilder: Einmal aus einer anderen
Perspektive schauen, über den Dingen stehen, eine Seilschaft bilden,
niemand hängen lassen
In keiner anderen natursportlichen
Aktivität dürfte die Kluft zwischen objektiver und subjektiver Angst so groß
sein wie beim Klettern. Es ist also gerade für Anfänger eine Grenzerfahrung,
bei der Vertrauensvorschuss unbedingt nötig ist.
Die Teilnehmer sind durch Demonstration und
Wissensvermittlung aufgeklärt, dass die Seile ein Auto problemlos tragen
könnten und sie doppelt gesichert sind, durch sich selbst und dem Sichernden.
Aufgrund der Höhe (beim ersten Mal zwischen 10 und 15 m) entsteht bei den
meisten ein Unbehagen, das überwunden werden muss. Jeder hat diese Erfahrung
gemacht, als er zum ersten Mal auf dem 3-Meter-Brett gestanden hat.
Im nördlichen Harzvorland gibt es einige
Sandsteinklettergebiete, die leider durch ortsansässige Jugendliche verschmutzt
werden, die dort Partys veranstalten. Durch das Werfen von Glasflaschen auf die
Felsen entsteht ein hohes Verletzungsrisiko für den Kletterer und natürlich die
Waldbrandgefahr.
Im Rahmen des sozialen Trainings bestand
das Interesse, sich einer Herausforderung zu stellen und sich in einer
besonderen Situationen zu bewähren, nämlich mit Asylbewerbern und geduldeten
Ausländern einerseits den Müll aus dem Wald zu bringen und andererseits an
einer Aktion teilzunehmen, die man „Neue Seilschaft des Vertrauens - Ausländer
und Deutsche vertrauen sich gegenseitig ihr Leben an“ titeln könnte.
Sowohl die deutschen Jugendlichen als auch
die Ausländer sind als Gruppe benachteiligt und stigmatisiert. Die Idee des
Projektes war die Interessen der Gruppen zu verbinden und gegenseitige
Vorurteile abzubauen. Das sollte mit aktiven Umweltschutz umgesetzt werden.
Diese Aktion wurde zweimal mit Ausländern
und einmal als Vorbereitungstreffen für die intensivpädagogische Maßnahme in
der Sächsischen Schweiz durchgeführt. Hier sammelten wir Glasscherben und
anderen Müll aus der unmittelbaren Umgebung der Kletterwege. Das Säubern des
Felsens wurde dabei durch Abseilen realisiert. Es war uns wichtig, dass jeweils
ein Ausländer einen Deutschen bzw. umgekehrt sichert. Andere Ziele dieses
Tagesprojektes waren die Integration ausländischer Mitbürger, interkulturelles
Lernen und Sozialtraining für die Jugendlichen.
Die Reflektion und Auswertung ergab, dass
sich die wichtigsten Ziele erfüllt haben. Alle Teilnehmer fühlten sich sehr
wohl miteinander, waren stolz auf das Geleistete und wünschten sich weitere
gemeinsame Aktionen.
Segeln:
Die Bilder: eine Flaute erleben, nicht gleich die Segel streichen, das
Steuer in der Hand halten
Als sehr aufwändiges (Gemeinschafts-)
Projekt haben wir es in der „Dokumentation Segeln“ ausführlich beschrieben.
Bitte nehmen Sie bei Interesse Kontakt zu uns auf
Kanu
Die Bilder: alles fließt, sich treiben lassen, gegen die Strömung schwimmen,
in einem Boot sitzen,
Baden gehen
Übungen, wie z.B. Kenterübung oder
Kanufußball, sind auch anschaulich in der Segeldokumentation anzusehen.
In der praktischen Umsetzung ist das
Kanufahren besonders geeignet, um Ziele wie Kooperationsbereitschaft und
Steigerung der Konzentrations-, Koordinations- und Wahrnehmungsfähigkeit zu
erreichen. Das realistische Einschätzen von Situationen ist vor allem im
Fließgewässer nötig.
Als Vorübung starten wir grundsätzlich in
einem stillen Gewässer. Der Schachtsee befindet sich ca. zehn km nördlich von
Bernburg. Wie bei den meisten erlebnispädagogischen Maßnahmen ist die
Vorbereitung sehr wichtig, weil sowohl zum Material als auch zu den anderen
Teilnehmern Vertrauen geschafft werden soll. Neben dem Erlernen der Paddeltechnik
sind es Aufgaben, wie sie auch schon in der Dokumentation beschrieben wurden
(Kenterübung und Kanufußball).
Die Saale zwischen Plötzkau und Bernburg
ist eher ruhig fließend. Da es eine Auenlandschaft ist, gibt es viele
Biegungen, die stromauf- und –abwärts am Prell- bzw. Gleithang ihre
Besonderheiten haben. Das zu erkennen und entsprechend zu reagieren ist
wichtig, um ein Kentern zu vermeiden.
Bei drei Teilnehmern war uns dieses Medium
wichtig, weil sich die Teilnehmer überwiegend auf die Sache, jedoch nicht auf
die anderen Personen einlassen wollten. So wurde im theoretischen Teil
mitgearbeitet. Das Verhalten war aber nicht kongruent. Mit dem Kanuprojekt
konnte erreicht werden, dass sich die Teilnehmer, wenn auch nur temporär,
aufeinander ein- und verlassen mussten.
Bei den Klienten aus 2003 hatte die
Maßnahme eher Aufforderungscharakter, sich auf etwas Neues einzulassen und
Angst zu überwinden. Gerade die Kenterübung war bedeutungsvoll. Das zu tun,
wovor man ohne nachvollziehbaren Grund sehr viel Angst hat, gab diesen
gehemmten Jugendlichen eine anschauliche Möglichkeit, Grenzen und Ängste zu
überwinden, bevor man Angst vor der Angst bekommt und psychisch krank wird.
Mountainbike
Die Bilder: Im großen Gang fahren, gegen den Wind, etwas Neues erfahren
Das
Mountainbiking ist wie auch das Kajakfahren im Wildwasser, das wir den Klienten
bisher noch nicht angeboten, vordergründig für Menschen geeignet, bei denen das
Kursziel Aufbau von Verantwortungs- und Selbstbewusstsein sowie
Entscheidungsfreudigkeit ist.
Die
sieben Teilnehmer (drei und vier) erlebten es als downhill-Aktion im
Brockengebiet. Das setzt einerseits voraus, dass zuerst berghoch gefahren bzw.
geschoben werden musste. Andererseits ist beim Gelände befahren wichtig, eine
einmal gefasste Entscheidung auch einzuhalten, da eine Umkehr häufig unmöglich
ist. Ein gut zu transportierendes Bild.
Das
Leben ist keine asphaltierte, ebene Straße. Es ist sehr anstrengend, nach oben
bzw. weiter zu kommen. Die Herausforderung ist das Interessante, wenn es über
Stock und Stein geht. Aber ich muss mich gelegentlich unmittelbar für eine
Lösung entscheiden mit allen Konsequenzen und Chancen, die geboten sind. Ich
muss die Situation schnell erfassen.
Da es
sich um sehr komplexe Bewegungsabläufe handelt, ist die Streckenerkundung und
die Sicherheit am Fahrrad von essenzieller Bedeutung.
Tipibau, Arbeitsprojekte, Umweltschutz
Die
Bilder: Hand in Hand arbeiten,
viele Hände schnelles Ende, das Heft in die Hand nehmen,
die Arbeit begreifen
Teilnehmer dieses Handlungsfeldes waren
Jugendliche, die 2003 Aussiedler sind und über das Medium Arbeit das Gefühl
vermittelt bekamen, eine Aufgabe in ihrer neuen Heimat zu haben. In Kooperation
mit in Deutschland geborenen Deutschen beseitigten sie Hochwasserschäden. Das
Ziel der Integration wurde zwar nicht erfüllt, aber beim abschließendem Feed
back sagten alle einhellig, dass sie froh waren, etwas für Deutschland
geschafft zu haben und helfen zu können.
Bei den Teilnehmern in 2004 handelte es
sich ausschließlich um zwei Jugendliche und einen Heranwachsenden, die bisher
durch eine starke Verweigerungshaltung bekannt waren. Bei allen Teilnehmern war
ein hoher Hilfebedarf erkennbar. Rückfragen bei den Klienten bzw. im Jugendamt
ergaben, dass angebotene Hilfen auf Grund fehlender Mitarbeit abgebrochen und
weitere Hilfen abgelehnt wurden.
Da bisher sämtlichen Maßnahmen, wie Schule,
BVJ oder Ausbildung, abgebrochen wurden, war es uns wichtig, mit diesen
Teilnehmern ein Arbeitsprojekt durchzuführen, damit sie mindestens für den
begrenzten Zeitraum von zwei Wochen ohne Fehlzeiten arbeiten. Förderung des
Durchhaltevermögens und Freude an kontinuierlicher Leistung, somit des
Arbeitsverhaltens hatten oberste Priorität.
Die
gestellte Aufgabe war der Aushub eines ca. zehn Meter langen Schachtes für ein
Abflussrohr und das Planieren einer ungefähr 100 m² großen Fläche. Die
Temperaturen lagen zu diesem Zeitpunkt zwischen null und minus fünf Grad und
der zu bearbeitende Boden war noch gefroren.
Da zwei
der Teilnehmer äußerten, gern auf dem Bau als Helfer arbeiten zu wollen,
bekamen sie so ein realistisches Bild von dieser Arbeit. Begleitend hatte ein
Teilnehmer täglich wechselnd den Auftrag, für die anderen das Mittag
zuzubereiten. In diesem Rahmen gab es wieder die Möglichkeit, im vermeintlichen
small talk Themen des Sozialverhaltens aufzugreifen.
Diese
Aktion war insofern erfolgreich, dass alle Jugendlichen jeden Tag
mitarbeiteten, sich anschließend auch besser auf die Themenorientierung in den
Gruppenstunden einlassen konnten und notwendige Behördenwege erstmalig
wahrnahmen.